Startseite
stacke-link-sos-alarmsafe

Artikel aus s+s report 6 /2005:

Unsachgemäße Modifikationen ruinieren den Sicherheitsstandard von VdSgeprüften Wertbehältnissen

Vom Wertschutzschrank zur „Blechkiste“ degradiert

Autor: Dr.-Ing. Frank Janser

Serviceaufgaben an Wertbehältnissen sind vielfältig. Sie reichen von der klassischen Reparatur aufgrund von Verschleiß über Notöffnungen bei verlorenen Schließgeheimnissen (Codes) bis hin zu notwendigen Reparaturen nach Einbruchversuchen. Dazu kommen Umbauten auf moderne elektronische Schlosssysteme.

Letztere sind insbesondere in Verbindung mit optimierten Organisationsverfahren bei Banken und anderen Betreibern beliebt. Der Einsatz so genannter geistiger Codes bietet u. a. die Möglichkeit zur Weiterleitung eines stillen Alarms bei Bedrohungsszenarien, weiter sind diese Systeme einfacher und fehlersicherer in der Bedienung und eignen sich zum Einsatz komplexer Verfahren zur dezentralen Cashlogistik mithilfe von Geld- und Werttransportunternehmen. Und zu guter Letzt erhöht der Einsatz von Elektronikschlössern die Sicherheit gegenüber Überwindungsversuchen deutlich.

Zertifizierte Sicherheit bei Wertbehältnissen

Zertifizierte Sicherheit bei geprüften Wertbehältnissen nach europäischen Normen entsteht durch Einbau von gemäß EN 1300 geprüften und zertifizierten Schlosssystemen in Wertbehältnisse bzw. in das Riegelwerk eines Tresors. Im Anschluss lässt der Hersteller dieses Gesamtsystem nach EN 1143 in einem Prüflaboratorium prüfen und von einer Zertifizierungsstelle zertifizieren.

Bei der VdS-Prüfung wird das Zusammenspiel von Schlosssystem, Riegelwerk und Wertschutzschrank geprüft. Dem Hersteller des Wertbehältnisses als späterem Zertifikatsinhaber wird der bei der Prüfung festgestellte Widerstandgrad bestätigt. Er haftet im Produktionsprozess für die zertifizierungsgerechte Ausführung der Serienprodukte. Neben der obligatorischen Zertifizierung des Herstellungsbetriebes nach DIN EN ISO 9001 (Produktions- und Servicetätigkeiten umfassend) unterliegt der Hersteller zusätzlich der Fremdüberwachung durch die Zertifizierungsstelle. Diese „Produktionsaudits“ erzeugen bei den Herstellern hohe Kosten, sind aber letztendlich der Garant für die ordnungsgemäße Ausführung aller Arbeiten beim Hersteller, beginnend bei der Planung über den Fertigungsprozess bis hin zur richtigen Kennzeichnung des auszuliefernden Behältnisses mit der VdS-Anerkennungsplakette.

Zahlreiche ältere Wertbehältnisse im Gebrauch

Die hohe Haltbarkeit sowie die durch hohes Gewicht und große Abmessung verursachte Immobilität klassischer Wertbehältnisse führen zu einem großen Bestand älterer Wertbehältnisse im Markt. Ein zusätzliches Problem für die Betreiber stellt aufgrund des Marktgeschehens Ende der neunziger Jahre die rückläufige Anzahl von Herstellern dar. Viele klangvolle Namen sind seit dieser Zeit von der Bildfläche verschwunden. Allerdings wurde durch frühzeitige bilaterale Vereinbarungen der Hersteller untereinander die Grundlage für einen flächendeckenden, bundesweiten professionell autorisierten Service auch für Produkte nicht mehr existenter Hersteller gelegt.

Problemfall Reparatur/Umbau

Eine Vielzahl von Reparaturen und Modifikationen zum Teil durch freie, nicht herstellergebundene Firmen und Einzelpersonen führte in der Vergangenheit allerdings zu einer erheblichen Reduzierung des Sicherheitsniveaus umgebauter Tresore. Das Problem dabei ist, dass ein unsachgemäßer Eingriff leider oftmals erst in Folge eines Schadenfalls feststellbar und nachweisbar wird. Leicht vorstellbar sind in einem solchem Fall die Diskussionen und Auswirkungen auf Entschädigungsleistungen durch den Versicherer.

Die Schadensbilder sind vielfältig: Fortfall von Notsperren, Basteleien an Riegelwerken, Wegfall von Sperrpunkten bei Einschlosssystemen usw. sind keine Seltenheit. Diese sind fatalerweise auf den ersten Blick nicht für den Betreiber sichtbar. Allerdings trägt der Betreiber als Auftraggeber – zumindest im Hinblick auf seine Geschäftsbeziehung mit dem Sachversicherer – die volle Verantwortung für solche Modifikationen. Die eigentlichen Verursacher sind im Schadensfall zumeist nicht greifbar. Sehr ärgerlich kann es auch sein, wenn nach dem Eingriff plötzlich die Tür des Behältnisses nicht mehr aufgeht, weil z. B. Toleranzen im Riegelwerk nicht beachtet wurden.

Serviceleistungen

Die Rahmenbedingungen für Serviceleistungen an bestehenden Wertbehältnissen sind sehr deutlich formuliert. Nur Hersteller oder autorisierte Herstellerfirmen sind berechtigt und in der Lage, Reparaturen, Notöffnungen mit anschließendem Erhalt des Sicherheitsniveaus und damit der Zertifizierungsplakette sowie Modifikationen am Schlosssystem durchzuführen. Anderenfalls ist die Zertifizierungsplakette zu entfernen und der Versicherer entsprechend zu benachrichtigen.

Der argumentative Rückzug einiger Institute und Firmen auf die Verwendung eines zertifizierten Schlosssystems alleine hilft in diesem Fall naturgemäß nicht. Erst die Kombination aus Schloss, dem herstellerseitigen Riegelwerk nebst den damit verbundenen Panzerungen und ggf. Notverriegelungen sowie dem Wertbehältnis selbst garantiert ein ausreichendes Sicherheitsniveau.

Die ordnungsgemäße Vorgehensweise

VdS Schadenverhütung hat aus gegebenem Anlass zu diesem Thema ein eigenes Merkblatt herausgegeben, welches unter der Nr. VdS 5004 bei VdS Schadenverhütung direkt oder unter www.vds.de –> Security –> Wertbehältnisse–Aktuelles abrufbar ist.

Die ordnungsgemäße Vorgehensweise allerdings ist einfach beschreibbar. Für die oben angesprochenen Anwendungsfälle ist der Hersteller des Wertbehältnisses oder eine entsprechend autorisierte Herstellerfirma anzusprechen. Diese verfügt über die notwendigen Originalersatzteile und prüft gegebenenfalls, ob ein zur Verwendung kommendes Schlosssystem im Ursprungszertifikat enthalten ist oder wegen der später durchgeführten konstruktiven Änderung nachzertifiziert werden muss. Für den Einsatz elektronischer Schlösser halten diese Firmen entsprechende Einbausätze vor. Sie bescheinigen dann auch nach einer einwandfreien Reparatur oder nach einem Umbau den ordnungsgemäßen Zustand des Wertbehältnisses.

Wie bereits erwähnt, sichern bilaterale Vereinbarungen die Betreuung von Produkten auch bereits erloschener oder vom Markt verschwundener Unternehmen. VdS Schadenverhütung / ECBS halten für diese Fälle eine entsprechende Liste bereit, mit deren Hilfe der richtige Ansprechpartner schnell und problemlos gefunden werden kann. Für darüber hinausgehende Sonderfälle (Einbau exotischer Schlösser oder Schlosskombinationen, nicht zertifizierte Wertbehältnisse etc.) stehen die Prüflaboratorien von VdS Schadenverhütung und die Zertifizierungsstellen in Köln und Frankfurt mit Rat und Tat zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund ist es vermeidbar, jahrzehntelang getätigte Investitionen in präventive Sicherheit durch unsachgemäße Reparaturen und Modifikationen von Wertbehältnissen aufs Spiel zu setzen, zumal eine professionelle flächendeckende Betreuung als vorausgesetzt genommen werden kann. Klar ist: Sachgerechte Umbauten und Reparaturen an zugelassenen Wertbehältnissen erfordern autorisierten Service!

 

Rechte Maustaste, Ziel speichern unter...